Vanille ist eine mehrjährige Kletterpflanze und die Königin der Gewürze. Ihr Duft ist süß, cremig, warm und beruhigend, mit einem leicht feuchten Blumenaroma, das sich sowohl exotisch als auch vertraut anfühlt. Diese Note hat die magische Fähigkeit, Kanten weich zu zeichnen und alle Teile einer Parfümkomposition zu einem entzückenden Ganzen zu verbinden. Etwa 40 % der Vanille weltweit stammt aus Madagaskar, wo Vanilla planifolia die Hauptart ist.
Der Prozess des Anbaus, der Ernte und der Reifung der Vanilleschoten ist langwierig und kompliziert. Er umfasst die Bestäubung per Hand, eine 9-monatige Reifezeit und mehrere Stufen von Fermentation/Trocknung bei ganz bestimmten Temperaturen. Denn direkt nach der Ernte ist die reife grüne Vanilleschote ziemlich aromaneutral. Es ist die sorgfältige mehrstufige Nachbearbeitung, die ihr die vertraute braune Farbe und den reichen und intensiven Duft verleiht.
Natürliches Vanille-Absolut, das in der Parfümerie verwendet wird, wird hauptsächlich durch ein Extraktionsverfahren gewonnen, bei dem die Vanilleschoten zuerst in ein Lösungsmittel eingetaucht werden, das dann verdampft und ein konzentriertes halbfestes Material (Oleoresin) hinterlässt. Dieses wird so oft gewaschen und gereinigt, bis am Ende das begehrte Absolut entsteht.
Die Hauptkomponente, die für den Geruch von Vanille verantwortlich ist, ist Vanillin (ein phenolisches Aldehyd, das man aus der Küche kennt). Seine Synthese wurde erstmals 1874 vom deutschen Chemiker Ferdinand Tiemann durchgeführt. Er konnte Vanillin durch die Oxidation der Bestandteile von Lignin synthetisieren (ein Polymer, das in den Zellwänden fast aller Pflanzen vorkommt – Bäume bestehen, zum Beispiel, zu 20-30% aus Lignin).
Die Entdeckung von Vanillin revolutionierte die Parfümindustrie und inspirierte eine Welle völlig neuer (und mittlerweile legendärer) Kreationen. Einer der ersten Düfte, wo synthetisches Vanillin ausgiebig verwendet wurde, war Jicky des Parfümeurs Aime Guerlain im Jahr 1889. Dieser Duft gilt als das erste moderne Parfüm und war einer der ersten, wo synthetische Inhaltsstoffe, einschließlich Vanillin, in signifikanten Mengen eingesetzt wurden. Andere berühmte historische Düfte mit einer Überdosis Vanille sind Mitsouko (1919) und Shalimar (1925) von Jacques Guerlain und Emeraude von Coty (1921).
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