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Am Sonntag war ich bei der Uraufführung von M – Eine Stadt sucht einen Mörder in der Komischen Oper Berlin. Ich schreibe sehr selten über meine Theatererlebnisse, aber dieses Stück ist so außergewöhnlich, dass ich mal in die Rolle eines Theaterkritikers schlüpfen möchte. Wer wissen will, wie man garantiert eine erfolgreiche Inszenierung hinlegen kann, muss weiter lesen!

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Nach der Uraufführung von M – Eine Stadt sucht einen Mörder in der Komischen Oper Berlin hat sich auf meinen Lippen ein böser (und zugegebener Maßen nicht 100% angemessener) Witz eingebrannt: Willst du dein Theaterstück vor einem Misserfolg bewahren, bringe 100 Kinder auf die Bühne. Egal wie das Ergebnis ausfällt, selbst der härteste Kritiker wird es nicht wagen, Kinder auszubuhen. Garantiert. Mehr noch, jedes Kind bringt mindestens ein begeistertes Familienmitglied (wahrscheinlich sogar mehr – Mama, Papa plus die Oma) ins Publikum mit. Um leere Plätze braucht man sich keine Sorgen zu machen.

me komische oper 1500 Cosmetiqua MagazineAlso das Stück. Jeder gebildete Mensch hat von dem gleichnamigen Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 gehört (auch wenn nur wenige ihn gesehen haben werden). Der Streifen gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte, war in vielerlei Hinsicht wegweisend. Es geht um einen Kindermörder, der sowohl von der Polizei, als auch von der kriminellen Unterwelt einer verschreckten Stadt gejagt wird.

Keine wirklich fröhliche Vorlage. Und dennoch. Die gestrige Inszenierung von Barrie Kosky hatte viele interessante, kreative und gelungene Elemente. Ich bereue nicht, sie gesehen zu haben. Und trotzdem fand ich sie schwer erträglich. Bei keiner anderen Oper habe ich es mir bis jetzt erlaubt, fünf mal auf die Uhr zu schauen in der Hoffnung, dass das Grauen bald ein Ende kriegt.

Vielleicht verdient jede Epoche die Kunst, die sie hat. Unsere Zeit ist komplex und für die menschliche Psyche oft schwer zu verdauen. Das würde die auf die Spitze getriebene verstörende Wirkung des Stückes erklären.

Ich verstehe ja, dass man die tiefe Psychologie eines modernen geistig labilen Kindermörders nicht mit Mozart-Arien darstellen kann. Und dass die Stadtbewohner, die in ihrem Verhalten immer mehr einer ängstlichen Viehherde gleichen, als Feen in Couture Kleidern wenig überzeugend gewirkt hätten.

Aber muss es denn so viel Elend auf einmal auf der Bühne sein? Ich habe keine Ahnung, wie man moderne Kunst verstehen soll. Das Schöne ist ja längst kein Maß der Dinge mehr, ist sogar verpönt. Vermutlich ist das einzige noch verbleibende Kriterium die Frage, ob das Gesamterlebnis in einem etwas auslöst, die Seele auf irgendeine Weise berührt.

So gesehen war die neue Oper ein Erfolg, denn sie hat bei mir einiges ausgelöst. Hauptsächlich Angst vor der Hoffnungslosigkeit des Seins. Und auch wenn ich mich hiermit als unkultiviert und einfach gestrickt oute, ich bevorzuge Kunst, die die Seele erheitert und auf all die guten und schönen Dinge hinweist, für die es sich zu leben lohnt.

P.S. Buhen wollte ich gestern Abend übrigens nicht, Kinder hin oder her. Das Stück ist interessant. Es hat Energie, Ideen und begeisterte kleine Schauspieler (buchstäblich ein Hundert von ihnen, für sie ist es bestimmt eine tolle Erfahrung!). Nur trifft das Ganze nicht meinen Geschmack. Zum Glück hat Komische Oper noch viel mehr im Programm.

Was habt ihr das letzte Mal in einem Theater gesehen?

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