Myths Woman von Amouage ist ein echtes Nischenparfüm. Ein Duft, der eine ganz eigene Stimmung hat und an fortgeschrittene Nasen adressiert ist. Obwohl ich meine Schwierigkeiten mit ihm habe, hat er mein Verständnis der Duftwelt erweitert. Eine unabhängige persönliche Bewertung.
[Eigenkauf, Werbung]
Ich habe es wirklich lange versucht. Halbes Jahr lang unternahm ich regelmäßige Anläufe, Myths von Amouage Genussmomente abzugewinnen. Doch jetzt gebe ich offiziell auf. Das Parfüm verlässt meine Sammlung, obwohl es mir neue Facetten der Duftwelt aufgezeigt hat.
Insofern hat es sein Zweck erfüllt, denn beim Kauf war mir durchaus klar, dass ich es hier mit einem außergewöhnlichen Biest zu tun hatte.

So stellte ich mir echte Nischenparfüms vor. Sie sollten einer einzigartigen Vision folgen und nicht versuchen, allen zu gefallen. Um Myths zu tragen, braucht man definitiv eine starke Persönlichkeit.
Für mich ist dieser Duft eine Mischung aus Erde, Schatten und grüner Fäulnis. Dafür sind die erdigen grünen Facetten von Patschouli und dunklen Veilchenblättern, sowie Eichenmoos und die bitteren Komponenten des Lederakkords verantwortlich.
Duftkenner sprechen dem Parfüm, kreiert von der Parfümeurin Nathalie Lorson unter der Regie des legendären Kreativdirektors Christopher Chong in 2016, große Ähnlichkeit mit Düften aus der Vergangenheit zu. Als die Duftwelt opulenter, schwerer, natürlicher, exklusiver war, und man Parfüms zu Pelzmäntel und Diamanten trug (es soll in der Formel tatsächlich den echten teuren grauen Amber (auch als amber gris bekannt) geben). Laut Vintage-Kennern, ist es ein Gruß aus der Zeit, als die Formeln noch nicht mit den modernen synthetischen Molekülen wie Iso E Super und Hedione gedoped wurden. Kann sein.
Dann bin ich aber froh, dass der Geschmack sich seit dem etwas gewandelt hat. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und so kann man das auf verschiedene Arten interpretieren.
Man kann diesen Duft als den ultimativen Ausdruck altmodischer Dekadenz ansehen. Wie eine Filmdiva aus den Zeiten des schwarz-weiß Films, für immer melancholisch. Dafür sorgen die Noten von Narzissenf, Chrysanthemen und Nelken. Jede einzelne recht retro.

Der Geist ist zwar da, doch vom Glamour bleiben nur Erinnerungen, das üppige Bouquet weißer Lilien von betagten Fans steht schon zu lange im alten Wasser und riecht nach Verwesung.
Oder als eine nicht durch die Technicolor-Filter der Medien gefilterte Vereinigung mit echter Natur. Wie ein Schlossgarten im Frühherbst. Blätter und Zweige haben ihr saftiges Grün gegen einen verblassten Ton eingetauscht, man trägt sie zum Komposthaufen. Dort landen sie zusammen mit den Resten der verwelkten Lilien der Filmdiva.
Um Myths zu mögen, darf man keine Angst vor Vergänglichkeit haben. Man muss auch in der Zersetzung Schönheit sehen können. Intellektuell begreife ich das, doch emotional bin ich dazu noch nicht bereit.
Mich erinnert Myths zu sehr an dunkle feuchte Ecken unter Betonbrücken und den Geruch von alten Kunstlederbänken in den Zugabteilen der sowjetischen Eisenbahn.
Meine Bewertung: Myths sieht spektakulär aus, die Kappe ist mit echtem Gold überzogen, der Duft ist super interessant und einzigartig. Aber ich empfehle ihn vor dem Kauf unbedingt zu testen.
Update 2023: Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, dass Myths bald vom Markt genommen wird. Noch ist es aber da, wie man auf der Webseite von Amouage sieht. Falls der Duft aber schon länger auf deiner Wunschliste steht, würde ich mich jetzt etwas beeilen. Denn Amouage verändert sich seit dem Rebranding sehr stark. Es wäre logisch, wenn sie einige Düfte aus dem Sortiment entfernen würden (was sie teilweise schon getan haben), um Platz für Neues zu schaffen.
Und was ist euer außergewöhnlichstes Parfüm?
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Myths Woman
Myths hat große Ähnlichkeit mit Düften der Vergangenheit, als alles opulenter, schwerer, natürlicher, exklusiver war, und man Parfüms zu Pelzmäntel und Diamanten trug. Es wurde 2016 von Parfümeurin Nathalie Lorson unter Regie des Kreativdirektors Christopher Chong kreiert.
Pruduktmarke: Amouage
4
Vorteile
- Ein opulenter Duft für Kenner
- Im Stil der großen Vintage-Parfüms gehalten
- Kreiert von Nathalie Lorson und Christopher Chong
- Spektakulärer Flakon und vergoldete Kappe
Nachteile
- Vor dem Kauf unbedingt testen, da es nicht den modernen Vorlieben entspricht
- Wird eventuell vom Markt genommen


