Indie Beauty Expo, die amerikanische Messe für unabhängige und neue Beautybrands, kam dieses Jahr zum ersten Mal nach Deutschland. Warum ist es wichtig und was genau verbirgt sich unter dem Begriff Indie Beauty? Wenn ihr wissen wollt, wie die Zukunft des Hautpflege- und Make-up-Markts aussieht und worauf wir uns als Verbraucher einstellen müssen, lest weiter!

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Vor Kurzem war ich auf der Indie Beauty Expo in Berlin. Spannende Konzepte, neue Marken und sehr gute Organisation sorgten dafür, dass die Begeisterung der Aussteller die Besucher inspirierte. Alle, mit denen ich bis jetzt sprechen konnte, haben von ihren auf der Expo gemachten persönlichen Produkt- und Markenentdeckungen geschwärmt. Mir geht es auch so (mehr dazu in den kommenden Posts). Doch die Vielfältigkeit des vorgestellten Sortiments verführt dazu, beim Rückblick direkt ins Detail zu gehen und an einzelne Produkte zu denken, statt sich das Gesamtbild vor Augen zu führen.

Dabei steckt hinter den tollen neuen Tiegeln noch viel mehr. Indie Beauty Expo Berlin 2019 zeigt, dass die gesamte Branche sich im Umbruch befindet. Internet ist der Nährboden, aus dem eine ganz neue Gruppe von Playern auf dem Beautymarkt hervorgegangen ist – die Indiebrands. Ich decke auf, wie sie die Strukturen der gesamten Industrie aufmischen und was es für Verbraucher, Händler, Konzerne und für die Gründer selber bedeutet.

Aber alles der Reihe nach. Die Messe Indie Beauty Expo kommt aus den USA, wo sie seit 2015 unabhängige neue Beautybrands mit Distributoren und Einzelhandel zusammenbringt und Influencern und Presse vorstellt.

Als «Indie» (also independentunabhängig) definieren die Organisatoren Unternehmen, wo mindestens 50% der Anteile den Gründern und Leuten, die die Firma tatsächlich führen, gehören. Das können kleine Firmen mit nur paar Mitarbeitern sein, aber auch große und erfolgreiche Familienbetriebe. In Berlin gab es einen sehr interessanten Mix aus erst vor Kurzem gegründeten und schon etablierten Nischenbrands.

Es gibt viele Gründe, warum Indiebrands für den Markt und für uns Verbraucher wichtig sind. Zum einen verdanken sie ihre Existenz meistens innovativen Ideen, die noch keiner zuvor ausprobiert hatte. So muss man nicht darauf warten, bis einer der großen Konzerne die Idee verwirklicht, die zuerst intern dutzende administrative Hürden nehmen muss und dabei durchaus ersticken kann.

Außerdem dominieren nach wie vor einige wenige Riesen (L’Oreal, Estee Lauder, Coty, Unilever, Shiseido und noch paar andere) die Industrie. Die kleineren Marken sorgen für Konkurrenz und dafür, dass die big player sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Für den Endkunden ist ein Markt mit viel Bewegung immer von Vorteil. Zum einen sorgt Wettbewerb dafür, dass Kosmetik für jedes Budget verfügbar ist, und zum anderen gibt er für alle Anbieter Anreize, die Produktpalette ständig zu verbessern.

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Die Zeiten haben sich auch auf der Konsumentenseite geändert. Das alte Modell, bei dem große Konzerne für ein neues Produkt einfach einen Hollywoodstar unter Vertrag nahmen, damit er (oder eher sie) mit ihrem Gesicht auf Plakaten warb, funktioniert nicht mehr. Ein bekanntes Gesicht plus ein sinnfreies Motto mit einem bekannten Logo reichen nicht mehr aus, um bei Frauen einen Kaufrausch auszulösen.

In den Industrieländern haben im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten zum Glück deutlich mehr Frauen eigenes Einkommen, über welches sie frei verfügen können. Wir Mädels sind gebildeter und wählerischer als je zuvor. Das heißt, dass wir genau wissen wollen, warum eine Creme für uns gut sein soll. Wir interessieren uns für Details, Wirkungsmechanismen und Ingredienzien, wollen die Menschen hinter den Produkten kennenlernen. Dank Internet können kleinere Marken all diese Fragen viel schneller, unbürokratischer und direkter beantworten, als Konzerne, wo ein Team von Anwälten jede Antwort auf einen Instagram-Kommentar erstmal prüfen muss.

Außerdem haben sich die Zugangskanäle zum Kunden verändert. Früher konnten sich nur die ganz großen Unternehmen teure Werbung im Fernsehen und Print leisten und den begehrten Platz in den Regalen der Kaufhäuser sichern. Dank Social Media und Blogger haben heute auch die kleinen Anfängerbrands ohne große Marketing-Budgets die Chance, gesehen zu werden. Hauptsache die Produkte sind wirklich gut und spannend.

Mehr noch, persönlich und mit Begeisterung von Bloggern vorgestellte Mittel erzeugen bei potenziellen Käufern mehr Interesse, als mit Photoshop glatt polierte perfekte Anzeigen in den traditionellen Medien. Und wenn man als Marke es noch nicht ins KaDeWe geschafft hat, ist es auch kein Problem, weil man schnell und einfach einen eigenen Online-Shop eröffnen kann.

Aber auch die Handelsketten reagieren. Douglas, Kaufhof und Co. verstehen, dass sie mit den immer gleichen fünfzehn Marken, die schon seit Jahrzehnten im Sortiment sind, nicht mehr weiter kommen. Die Kunden wollen mehr Auswahl, neue Produkte und Abwechslung. Finden sie all dies nicht in der Parfümerie ihres Vertrauens, verlieren sie ganz schnell das Interesse. Zumal das Online-Shopping mit seinen unendlichen Möglichkeiten immer nur einen Klick entfernt ist. Es ist kein Zufall, dass Douglas dieses Jahr Partner von IBE Berlin wurde.

Parfümerieketten und Kaufhäuser haben erkannt, dass sie ohne innovative Marken und ihr frisches Blut die Kunden nicht halten können, und bieten deswegen Indiebrands nun deutlich mehr Platz. Zwar erfolgt die Zusammenarbeit meistens nach dem «schnell-rein-schnell-raus» Prinzip, wo neue Produkte für eine kurze Zeit ins Programm aufgenommen und verstärkt promotet werden, sich im Gegenzug aber sehr rasch beweisen und Umsatz generieren müssen, um nicht gezwungen zu werden für die nächsten Kandidaten Platz zu machen. Aber diese etwas brutale Art der Kooperation bietet Beauty-Start-ups trotzdem die Gelegenheit, sich der Welt zu präsentieren und einen Fan- und Kundenstamm aufzubauen. Früher hatten sie so eine Möglichkeit nicht.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass heute wirklich alles besser als früher ist. Wir leben im goldenen Beauty-Zeitalter. Als Verbraucher sind wir in dieser Situation definitiv die Gewinner. Für uns gibt es mehr Alternativen, Information und Auswahl. Aber auch die Gründer haben nun mehr Möglichkeiten, ihre Ideen zu verwirklichen. Für Händler gibt es mehr Chancen, sich durch gezielte Sortimentsgestaltung von der Konkurrenz zu abzusetzen. Nur die großen Beauty-Konzerne würden wohl die alte Weltordnung mit klaren Marktverhältnissen bevorzugen. Aber auch ihnen geht es gar nicht so schlecht, nur müssen sie sich jetzt etwas mehr anstrengen.

Ich denke, dass sich dieser Trend weiter verstärken wird. In Zukunft werden wir noch mehr Konkurrenz zwischen den Marktteilnehmern sehen. So werden neue Konzepte und Kosmetikmittel entstehen, die unser Leben noch angenehmer und schöner machen werden. Als Beautyliebhaberin und Bloggerin freue ich mich schon darauf, was kommt. Es heißt nicht, dass ich ab jetzt nur noch Seren, Cremes und Lidschatten von kaum bekannten Brands verwenden werde. Globale Marken bleiben Teil meines Kosmetikarsenals, aber ich werde die Augen für Neues offen halten.

Wie sieht ihr das? Bevorzugt ihr altbewährte Produkte mit berühmten Markennamen oder entdeckt ihr lieber Neues?

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Indie Beauty Expo Berlin 20019 Messe Trade Fair

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3 Comments

  • Lea sagt:

    Das ist eine großartige Analyse! Ich bin ja noch recht neu in der ganzen Beauty Thematik, aber dass ich das überhaupt sein kann, liegt an den Indiebrands. Wie du weißt, habe ich ernsthafte Allergie Probleme und bisher war das ein gigantisches Problem für mich. Das ist der Grund, weshalb ich mir ehrlich gesagt bis zu der Messe kaum noch Gedanken zu dem Thema gemacht habe, da ich letzten Endes ja eh wieder allergisch sein würde. Aber auf der Messe durfte ich so viele Produkte ausprobieren und ich merkte, dass sich die Qualität zu dem unterschied, was ich von früher kannte, als ich – noch unwissend um meine Haut – noch einfach irgendetwas mit hübscher Verpackung in der Drogerie gekauft habe. Meine Haut war immer der Teil meines Körpers, den ich von jeher GEHASST habe. Ich meine es so, wie ich es hier schreibe. Wenn mir jemand angeboten hätte, mir unter Qualen meine Haut abzuziehen und eine neue, gesunde Haut überzuziehen, dann hätte ich sofort ja gesagt. Die Messe hat das geändert. Ich habe gemerkt, dass nun immer mehr Produkte auf den Markt kommen, die für mich geeignet sind. Sie sind vielleicht (noch) nicht in den großen Geschäften zu bekommen, aber die Zeit ist gekommen, in der sich auch Menschen wie ich sich endlich in ihrer Haut wohlfühlen können. Jetzt kann ich es gar nicht mehr erwarten, neue Produkte dieser Marken auszuprobieren und mit ihnen zu spielen. Endlich mich in die Frau zu verwandeln, die ich doch eigentlich bin. In diesem Sinne: Danke für die Indie Beauty Expo und danke für die Indie Marken!

    • @cosmetiqua sagt:

      Vielen Dank für dein Kommentar, liebe Lea! Ich fine es super, dass es heute Pflege für alle Hautbedürfnisse gibt, auch gute Mittel für sensible Haut! Und toll, dass du auf der Expo für dich passende Produkte finden konntest! Da fallen mir einige Marken dazu ein, die ich dort gesehen habe. Ich hoffe (und glaube), dass dieser Trend sich fortsetzten wird, dass es noch mehr Marken geben wird, die sich auf sensible Haut spezialisieren. Time will show!

  • […] If you want to know what the future of the skin care and make-up market looks like and what we have to expect as a consumer, read on! […]

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